Angestellte streben auf Kosten ihrer Gesundheit nach Zielvorgaben

Das Führen mit Zielvereinbarungen hat sich in den vergangenen Jahren in zahlreichen Unternehmen stark durchgesetzt. Dabei wird zwischen der aktivitäts- und ergebnisorientierten Zielvereinbarung differenziert. Bei der ersten ist die Ausführung der Tätigkeit an sich das wesentliche Element der Zielvereinbarung. Bei letzterer stellt erst das mit der Tätigkeit erzielte Ergebnis die Messgrösse dar. Beispielsweise zählt man aktivitätsorientiert die Zahl der Kundenkontakte, ergebnisorientiert jedoch die Anzahl der Verkäufe.

Die Führung mit Zielvereinbarungen motiviert nachweislich zu Höchstleistungen. Allerdings verhalten sich die Beschäftigten – das ist ebenso erwiesen – durchaus bewusst gesundheitsschädigend, um diese  Ziele zu erreichen. Insgesamt haben mittlerweile die psychischen Fehlbelastungen in der Arbeitswelt stark zugenommen und kosten das Gesundheitssystem Milliarden Franken. Auch die Firmen trifft es direkt, denn sie bräuchten gesunde und leistungsfähige Arbeitskräfte, um profitabel und wettbewerbsfähig zu bleiben.

In ihrer Bachelorarbeit „Gesundheit als Führungsaufgabe im Zeitalter der interessierten Selbstgefährdung“ hat Eliane Stricker untersucht, wie ergebnisorientiert gesteuerte Unternehmen gesundheitsförderliches Führen realisieren können. Die Bachelorarbeit wurde  im Studiengang Bachelor of Science (FH) in Business Administration an der Kalaidos Fachhochschule erstellt. Mit dieser Arbeit hat Stricker 2012 auch einen 5. Platz im Wettbewerb Top-Bachelor von NZZ Campus und MakingScienceNews erreicht.

Führungsverhalten nimmt starken Einfluss auf Personalgesundheit

Zunächst werden die Auswirkungen des Führens von Mitarbeitenden durch Zielvereinbarungen auf deren Gesundheit, die ökonomischen Folgen und die wichtigen Faktoren gesundheitsförderlicher Führung betrachtet. Heute gilt als erwiesen, wie stark der Einfluss des Führungsverhaltens auf die Gesundheit der Mitarbeitenden ist. Allerdings haben Führungskräfte und Personalabteilungen oft Probleme, die psychische Beanspruchung überhaupt zu erkennen. Folglich hapert es beim Umgang mit psychisch beanspruchten Mitarbeitenden. Menschen, bei denen das fachlich geschulte Auge die Symptome eines Burnout-Syndrom oder anderer psychischer Belastungsstörungen erkennen würde, gelten im Alltag eher als unangenehm und werden teilweise sogar diskriminiert.

Die im Theorieteil eruierten kritischen Faktoren für eine gesundheitsförderliche Führung wurden anschliessend mit qualitativen Interviews auf ihre Praxisrelevanz geprüft. Untersucht wurden die Ausprägung folgender Faktoren: Wertschätzung und Unterstützung der Mitarbeitenden in der direkten Interaktion mit der Führungskraft, die gesundheitsförderliche Gestaltung der Arbeit und des Arbeitsumfeldes sowie die Motivation zu gesundheitsbewusstem Verhalten durch die Vorbildfunktion von Führungskräften. Die Gespräche erfolgten mit Führungskräften, die in ergebnisorientiert gesteuerten Unternehmen tätig sind. Die Resultate wurden anschliessend mit dem aktuellen Stand der Forschung verglichen und interpretiert.

Psychische Belastungen werden häufig gar nicht erkannt

Aus diesen Interviews wurde klar, dass es den befragten Führungskräften an Wissen über gesundheitsförderliches Führungsverhalten mangelt und sie sich mit Verhaltensveränderungen von Mitarbeitenden überfordert fühlen. Da die Führungskräfte selber unter ständigem Zeitdruck leiden, bleibt oft nur wenig Zeit für die eigentliche Führungstätigkeit. Stricker betont in diesem Kontext, dass es wichtig sei den Führungskräften überhaupt einmal bewusst zu machen, dass sie mit der Ausübung ihrer Führungstätigkeit die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden stark beeinflussen können.

Insgesamt ortet Stricker Handlungsbedarf auf Unternehmensseite. Firmen sollten ihre Führungskräfte im Umgang mit psychischen Fehlbeanspruchungen und Störungen schulen, damit sie sich sicher fühlen und das Thema aus Unsicherheit und Hilflosigkeit nicht abwehren und abwerten. Führungskräfte müssten wissen, wie sie Stress-Gefährdungen frühzeitig erkennen und darauf Einfluss nehmen können. Das leiste einen grossen Beitrag zur Prävention von psychischen Belastungen und Krankheiten. Positiven Einfluss habe auch eine offene Kommunikation zwischen dem Vorgesetzten und dem Mitarbeitenden, also ein solides Vertrauensverhältnis. Ausserdem solle die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden betreffs der eigenen Gesundheit gestärkt werden.

Unternehmensleitung muss Wandel anführen

So lange gesundheitsfördernde Massnahmen aber lediglich als „nice to have“ in Unternehmen bewertet würden und die Mitarbeitendengesundheit nicht als nachhaltiger Erfolgsfaktor erkannt werde, könne man einer Zunahme von psychisch belasteten Mitarbeitenden nicht entgegenwirken. Und falls die Unternehmensleitung immer nur höhere Ertragsziele anstrebe, habe auch die Führungskraft nur minimale Chancen, diesem Zustand entgegenzuwirken.

###

Weniger Stress auf dem Weg zum Studienziel? Jederzeit können Sie in unserem Studiengang Bachelor of Science (FH) in Business Administration einsteigen. Dank zwei flexiblen Zeitmodellen verträgt sich das Studium mit einer Berufstätigkeit bis zu 80% Pensum. Wir bieten Ihnen mehrere thematische Vertiefungsrichtungen an, selbstverständlich auch in Banking und Finance.