Zahlungen in Echtzeit – und die Bank steht wieder im Zentrum [STUDIE]

Realtime-Zahlungssysteme könnten in Zukunft für Banken eine grössere Bedeutung erlangen als heute. Mit in Echtzeit (Realtime) durchgeführten Zahlungen, die ohne Bargeld erfolgen, bekommt der Empfänger nach Abschluss der Transaktion sofort Zugriff auf die übertragene Summe. Die ganze Transaktion erfolgt dabei innerhalb weniger Sekunden. Gerade im Einzelhandel werden solche Systeme immer beliebter.

Der massgeblichste positive Effekt solcher Systeme ist, dass er die Bank wieder in das Zentrum der Zahlungsbeziehung zwischen Kunde und Verkäufer bringt. Das sind Erkenntnisse aus der Studie “The Faster Payments Revolution: Build It and They Will Come” welche die Aite Group vorgelegt hat. Basis des Reports waren vertiefte Interviews mit Executives in 20 Organisationen, welche sich mit Realtime-Zahlungen befassen, darunter Banken, Berater, Zahlungsverarbeiter und Verbände.

Die Zahl der Echtzeitzahlungen wächst rege

Das Wachstum der Transaktionen über solche Zahlungssysteme zeigt, dass die Kunden deren Vorteile durchaus erkennen und schätzen. In England wuchs die Zahl derartiger Zahlungen zwischen 2009 und 2014 um rund 30 Prozent jährlich auf mittlerweile mehr als eine Milliarde an. Neue mobile Zahlungslösungen dürften das Wachstum künftig noch beschleunigen.

Banken stehen wieder im Zentrum

Gelangen die Banken wieder in die Mitte der Zahlungsbeziehung, könnten sie aus dieser Position heraus ihre Rolle im wachsenden Markt für mobile Zahlungen ausbauen. Rund um den Kern solcher Sofortzahlungssysteme können Banken auch neue Services schaffen. Insgesamt entsteht für Banken die Chance, einiges vom mittlerweile an branchenfremde Drittanbieter verlorenen Terrain wettzumachen. Gleichzeitig könnten Banken an die Zahlungen gekoppelte Kundenbindungsprogramme lancieren.

In der Schweiz ist das Swiss Interbank Clearing (SIC), welches seit 1987 in Betrieb ist, das älteste derartige System in Europa. Allerdings unterstützt das System derzeit noch keine P2P-Zahlungen. Man denkt aber darüber nach, solche künftig zu integrieren. Bis 2018 soll das SIC jedoch auf den Standard von ISO 20022 gebracht werden. Dann hätte es genug Flexibilität, um Innovationen wie mobile Services oder P2P Zahlungen zu unterstützen.

Missbrauchsrisiken müssen beachtet werden

Der Studie zufolge haben diese Zahlungsformen durchaus disruptives oder transformatives Potenzial für die Bankbranche. Damit verbundene Dienstleistungen könnten in neue Produktentwicklungen und Umsatzströme münden.

Im Backoffice gilt es allerdings vermehrt auf Missbrauch und ein adäquates Risikomanagement zu achten. Sicherheitssysteme werden genauso in Echtzeit agieren müssen, um Echtzeit-Zahlungen wirklich sicher zu machen.
Aite gibt eine Reihe von Empfehlungen für die Finanzbranche ab:

  • Die rasche Zahlungsabwicklung könnte Basis für neue Dienstleistungen und Services sein, welche von Banken und Zahlungsdienstleistern entwickelt werden könnten. Die Geschwindigkeit und Unumkehrbarkeit der Zahlung sowie die sofortige Mittelverfügbarkeit beim Empfänger seien Alleinstellungsmerkmale.
  • Sicherheitssysteme müssen jedoch Schritt halten. Ungenügender Missbrauchsschutz dürften den Erfolg in Frage stellen. Banken müssten ein Echtzeitscreening für Missbrauch und Geldwäsche implementieren.
  • Kreditkartenmodelle sollten ihre Verarbeitung, Clearing und Settlement sowie das Pricing angesichts solcher Realtime-Zahlungsinfrastrukturen überprüfen. Banken sollten die Auswirkungen dieser Möglichkeiten auf gut etablierte Kartenmodelle sorgfältig prüfen. Wie lassen sich Karten beim Händler gut gegenüber günstigen Echtzeitzahlungssystemen positionieren?
  • PatShepherd

    Enorm spannendes Thema. Habe mit UMT als Investment in diesem Gebiet auch sehr gute Erfahrungen gemacht. Definitiv eine Branche die kräftig wachsen wird.