Die Schlüsselrolle der IT für die neuen Banken-Geschäftsmodelle Teil 1/2

Wie gehen Banken bei der Neuausrichtung ihrer Geschäftsmodelle vor und welche Rolle spielt dabei die IT? Als Moderator der 14. Jahreskonferenz „Bank-Informationstechnologie“ des Euroforums vom 6./7. März 2014 in Zürich war es mir möglich, den Stand der Überlegungen der verschiedenen Banken kennen zu lernen. Der erste Konferenztag bewegte sich an der Schnittstelle der strategischen Entwicklungen der Bankbranche und deren Bedeutung für die Geschäftsmodelle und die IT.

Aus meiner Optik ist der Paradigmenwechsel in Bezug auf die Geschäftsmodelle der Schweizer Banken nicht mehr nur eine strategische Option, sondern aufgrund des Margendrucks und der steigenden Regulierungskosten mittlerweile schlicht eine Notwendigkeit. Dabei wird eine zukunftsgerichtete Kundenzentrierung immer bedeutsamer. Erfolgsbausteine der Transformation sind eine saubere prozessuale Sicht auf die Wertschöpfungskette, die konsequente Digitalisierung der Geschäftsmodelle und ein nachhaltiges Veränderungsmanagement, dass den Mitarbeitenden und den Kunden den Weg in die Zukunft ermöglicht.

Der UBS ist es aus Sicht des Group CIO Stefan Arn gelungen, solche Prozesse von innen heraus anzustossen. Die entscheidende Grundlage dafür war, dass das notwendige innovative Vorgehen bei der Umgestaltung des Geschäftsmodells durch die obersten Verantwortungsträger strategisch unterstützt und getragen wurde und wird.

Roland Herrmann, CFO der Neuen Aargauer Bank, fokussierte seine Ausführungen auf die Frage, welche Leitplanken für zukünftig erfolgsversprechende Geschäftsmodelle erkennbar sind. Aus seiner Sicht sind vier Aspekte entscheidend: Der Nutzen der elektronischen Vertriebskanäle ist zu maximieren; die Produkte- und Dienstleistungen sind konsequent zu vereinfachen, die Wertschöpfungsketten sind konsequent auf die Kundeninteraktion auszurichten und sämtliche Abläufe sind stringent zu industrialisieren.

Enrico Lardelli (CIO der Postfinance) führte in diesem Zusammenhang aus, wie wichtig die IT-Affinität jedes Geschäftsleitungsmitglieds einer Bank heute ist. Während die ältere Generation der Verantwortungsträger bei einem zu kleinen Dokument die Lupe zur Hand nimmt, versucht ein Mitglied der Generation Y, das Dokument mit dem Finger am Bildschirm zu vergrössern – eine treffende Analogie für die Herausforderungen an Geschäftsleitungsmitglieder in Bezug auf die Nutzung der Chancen der Digitalisierung und ihrer disruptiven Auswirkungen.

Dann zeigte Marc Bernegger (Partner bei NextGeneration FinanceInvest) einige spannende Beispiele von neuen Geschäftsmodellen auf. Anschliessend diskutierte er in einer Paneldiskussion mit Gian Reto à Porta (CEO Contovista); Sarah Brylewski (Head Germany bei Gekko Global Markets), Dennis Just (CEO Knip AG) und Samuel Manz (CFO Moneyland.ch) die Leitplanken genau dieser neuen Geschäftsmodelle. Schon früh wurde aus dem Publikum die Auffassung geäussert, dass die Geschäftsmodelle neuer Firmen zwar aus einer anderen Liga stammen als die der etablierten Global Player. Doch so bald die Regulierung greife, müssten sich viele dieser Modelle den heutigen Regeln unterwerfen. Die Teilnehmer der Diskussion waren eher der Auffassung, dass ihre Modelle in den kommenden Jahren deutlich wachsen werden, da ihr Ansatz auch kulturell anders sei. Sie stellten die Macht der besseren Argumente und Gestaltungsfreiraum der politisch motivierten Entscheidungsfindung bei arrivierten Marktteilnehmern gegenüber. Das geflügelte Wort war „haben Sie schon einmal bei einem klassischen Finanzdienstleister gearbeitet, dann verstehen sie was ich meine.“

Jürgen Pulm (COO RBS Coutts) ging danach in seinem eindrücklichen Referat konkret darauf ein, wie diese beiden Welten verbunden werden können. Er zeigte auf, wie die RBS Coutts mit Innovationslabs in London und Edinburgh und Austauschplattformen zwischen dieser neuen und der klassischen Welt die Transformation von innen heraus inhaltlich und kulturell vorantreibt.

Am Abend des ersten Konferenztages reflektierte Prof. Dr. Stefanie Auge-Dickhut, Forschungsleiterin am SIF der Kalaidos Fachhochschule, die aktuellen Entwicklungen der Geschäftsmodelle der Banken aus Sicht der angewandten Forschung. Die Gefahr, bei der Umgestaltung der Geschäftsmodelle in klassischen Denkfallen zu verharren und die Zukunft mit den Denkmustern der Vergangenheit zu gestalten, ist das grösste Hemmnis bei der Ausrichtung auf die zukünftigen Erfolgsfaktoren. Sie kann aber durch die Anwendung des neu entwickelten „Zürcher Modells der kundenzentrierten Bankarchitektur“ im Transformationsprozess erfolgreich vermieden werden.

Im zweiten Teil dieses Blogposts werde ich auf die Inhalte des zweiten Konferenztages eingehen.